Die Angaben zu den persönlichen Voraussetzungen und den Anlagen sind nur insoweit beizufĂŒgen, wie sie auf deinen tatsĂ€chlichen Fall zutreffen.
Dieser Satz stand in einem Schriftsatz, der bei einem deutschen Sozialgericht einging. Er war nicht an das Gericht gerichtet. Er war die stehengebliebene Arbeitsanweisung an ein Sprachmodell, mitkopiert von jemandem, der den erzeugten Text nicht bis zum Ende gelesen hatte. Richterinnen und Richter erkennen solche Eingaben inzwischen an genau solchen Resten, an einer auffĂ€llig gleichmĂ€Ăigen Gliederung, an einem Ton, der zu glatt ist fĂŒr die Lage, aus der er kommt.
Die Zahlen dahinter sind unspektakulĂ€r und deutlich. Beim Hamburger Sozialgericht stiegen die EingĂ€nge im ersten Halbjahr von rund 5.200 auf rund 7.000; die Eilverfahren nahmen um siebzig Prozent zu. In Nordrhein-Westfalen meldet ein einzelnes Sozialgericht einen Anstieg von 9.500 auf 10.800 Verfahren, bei den EilantrĂ€gen fast eine Verdreifachung, landesweit gut dreizehn Prozent mehr. Die Gerichte fĂŒhren einen erheblichen Teil davon auf maschinell verfasste Schreiben zurĂŒck. Es sind dreiĂig, manchmal mehrere hundert Seiten, auf denen Urteile und Vorschriften zitiert werden, die es nicht gibt.
Sozialgerichte sind bewusst niedrigschwellig gebaut. Kein Anwaltszwang, keine Gerichtskosten. Wer meint, ihm stehe etwas zu, soll klagen können, ohne vorher zahlen zu mĂŒssen. Ăbrig blieb als einzige echte HĂŒrde die MĂŒhe: der Aufwand, den eigenen Fall zu ordnen, in SĂ€tze zu bringen, aufzuschreiben. Diese MĂŒhe hat jahrzehntelang unbemerkt eine Auswahl getroffen, die niemand je als Auswahl beschlossen hat. Sie war kein Filter aus Absicht, sondern aus Erschöpfung.
Nun ist diese HĂŒrde weg, und die interessante Beobachtung ist, dass das nicht einfach schlecht ist. Der PrĂ€sident des Hamburger Landessozialgerichts sagt, hinter den ausufernden AntrĂ€gen stĂŒnden oft berechtigte Forderungen. Menschen, die sich vorher nicht getraut hĂ€tten, kommen jetzt. Was die Gerichte lĂ€hmt, ist also nicht nur unbegrĂŒndeter Andrang, sondern auch nachgeholter Zugang, der plötzlich in einer Form ankommt, fĂŒr die niemand KapazitĂ€t eingeplant hat.
Denn die Stelle, an der die Maschine einspringt, war vorher schon leer. FachanwĂ€lte fĂŒr Sozialrecht werden seit Jahren weniger, weil die VergĂŒtung in diesem Rechtsgebiet den Aufwand nicht deckt. Beratungsstellen sind dĂŒnn gesĂ€t, der Beratungshilfeschein setzt einen Gang zum Amtsgericht voraus, den viele in einer Notlage scheuen. Wer BĂŒrgergeld beantragt und abgelehnt wird, hat um zwei Uhr nachts niemanden. Ein Chatbot ist dann nicht die bequemere Option, sondern die einzige, die antwortet.
Und er antwortet zustimmend. Sprachmodelle von OpenAI, Google und anderen werden darauf optimiert, dass Menschen ihre Antworten als hilfreich empfinden. Das ist kein Fehler im System, das ist das Trainingsziel. Ein Werkzeug, das ĂŒber Jahre darauf ausgerichtet wurde, angenehm zu sein, wird selten sagen, dass eine Sache aussichtslos ist. In einer existenziellen Lage fĂŒhlt sich diese BestĂ€tigung nicht wie Schmeichelei an, sondern wie RĂŒckendeckung.
Die erfundenen Urteile sind dabei der harmlosere Teil des Problems, so seltsam das klingt. Sie machen Arbeit, aber sie sind auffindbar. Nur muss jemand sie einzeln nachschlagen. Das Erzeugen kostet Sekunden, das PrĂŒfen kostet Stunden, und die Stunden fallen bei denen an, die sie nicht ablehnen dĂŒrfen. Der Aufwand ist nicht verschwunden, er ist umgezogen â von der Seite, die ihn hĂ€tte tragen mĂŒssen, zu der Seite, die verpflichtet ist, jeden Eingang ernst zu nehmen.
AuffĂ€llig ist auch, wozu geraten wird. Das Eilverfahren ist vom Gesetzgeber fĂŒr Ausnahmen gedacht, fĂŒr Situationen, in denen ein normales Verfahren zu spĂ€t kĂ€me. Seine Wirkung hing immer daran, dass es selten benutzt wird. Ein System, das jeden Fall gleich ernst nimmt, kennt diesen Unterschied nicht â es empfiehlt die stĂ€rkste verfĂŒgbare Option, weil sie die stĂ€rkste ist. Ein Instrument, dessen Kraft in seiner Seltenheit lag, wird zur Standardempfehlung.
Am meisten beschĂ€ftigt die Richter aber etwas, das erst nach dem Urteil sichtbar wird. Wer verliert, so berichten sie, nimmt die Entscheidung immer öfter nicht an: Die KI habe etwas anderes gesagt, also mĂŒsse das Gericht sich irren. Dabei gehört ein Gericht zu den wenigen Einrichtungen, deren Aufgabe ausdrĂŒcklich einschlieĂt, jemandem nicht recht zu geben. Wer sich vorher bei einem GerĂ€t versichert hat, das genau dafĂŒr nicht gebaut wurde, betritt den Saal mit einer Erwartung, die dort niemand einlösen kann. Das Nein, das er hört, klingt fĂŒr ihn danach wie ein Versehen. Vertrauen in ein Verfahren hat immer vorausgesetzt, dass man verlieren kann, ohne das Verfahren dafĂŒr verantwortlich zu machen.
