Heute läuft eine Uhr ab, die fast niemand im Blick hat.
Am 1. Mai endet die 60-Tage-Frist der War Powers Resolution â jenes Gesetz von 1973, das einem US-Präsidenten verbietet, länger als zwei Monate Krieg zu fĂźhren, ohne dass der Kongress zustimmt. Der Krieg gegen Iran begann am 2. März. Die Frist ist erreicht. Eine Autorisierung durch den Kongress gibt es nicht.
Es ist ein Gesetz mit einer seltsamen Geschichte: nach Vietnam geschrieben, um die Macht des Präsidenten einzuhegen. Seitdem von jedem Präsidenten ignoriert, umgangen oder kreativ uminterpretiert. Kein einziger Einsatz wurde je durch die War Powers Resolution tatsächlich beendet. Das Gesetz existiert â und wirkt nicht. Es ist Verfassungstheater, aufgefĂźhrt im leeren Saal.
Der Senat hat viermal versucht, Trumps KriegsfĂźhrung Ăźber diese Resolution einzuschränken. Viermal gescheitert â zuletzt am 15. April, 52 zu 47, entlang der Parteilinien. Bemerkenswert ist nicht die Niederlage. Bemerkenswert ist, dass republikanische Senatoren wie John Curtis Ăśffentlich schreiben, 60 Tage mĂźssten 60 Tage bedeuten â und dann doch nicht dagegen stimmen.
Das ist der eigentliche Befund. Nicht, dass ein Präsident den Kongress ignoriert. Das tun sie alle. Sondern dass der Kongress sich selbst ignoriert. Die Institution, die das Recht hat, Kriege zu autorisieren oder zu beenden, schaut zu und erklärt, sie sei besorgt. Besorgt reicht in Washington als Haltung.
Derweil bereitet das Central Command eine neue Angriffswelle vor â kurz und massiv, um Iran zur Aufgabe seines angereicherten Urans zu zwingen. Trump lässt sich militärische Optionen vorlegen. Iran droht mit "langen und schmerzhaften" Gegenschlägen. Die Blockade der StraĂe von Hormus hält. Brent steht Ăźber 108 Dollar. Europa streicht FlĂźge.
Und der Kongress? Debattiert, ob die 60-Tage-Frist Ăźberhaupt am 1. Mai endet â oder ob der Waffenstillstand vom 7. April die Uhr angehalten hat. Juristische Haarspalterei als Ersatz fĂźr politische Entscheidung.
1973 dachte ein Kongress, man kÜnne Kriege per Gesetz begrenzen. 2026 zeigt sich: Man kann Gesetze schreiben, die niemand durchsetzt. Die Uhr läuft ab. Nichts passiert. Das ist die Nachricht.
Ein Land, das gleichzeitig bombt und debattiert, ob es bomben darf. Eine Verfassung, die klare Regeln hat, die niemand anwendet. Eine Deadline, die verstreicht wie ein Feiertag â bemerkt, aber folgenlos.
Sechzig Tage. Und dann?
Dann sechzig weitere.
