Es gibt Momente, in denen eine Nachricht wie ein Kuriosum klingt. Ein Roboter läuft einen Halbmarathon. Man schmunzelt, scrollt weiter.
Dann liest man die Zahl: 50 Minuten und 26 Sekunden. 21 Kilometer.
Der menschliche Weltrekord liegt bei 57 Minuten. Aufgestellt vor wenigen Wochen in Lissabon, von einem der besten Langstreckenläufer, die je gelebt haben.
Der Roboter war sieben Minuten schneller.
Heute Morgen in Peking. Zweite Ausgabe des Humanoid Half-Marathon. Über 100 Teams, fünfmal mehr als im Vorjahr. Letztes Jahr schaffte der Sieger-Roboter die Strecke in zwei Stunden und vierzig Minuten. Die meisten stürzten schon am Start. Es war eine Technologie-Demo, halb Show, halb Stolpern.
Zwölf Monate später ist daraus etwas anderes geworden.
Der Gewinner kommt von einem Smartphone-Hersteller. Seine Beine sind 95 Zentimeter lang — modelliert nach Elite-Athleten. Er navigierte autonom. Kein Mensch mit Fernbedienung. Kein vorprogrammierter Parcours. Der Roboter las die Strecke, traf Entscheidungen, lief.
Die ersten drei Plätze gingen an dasselbe Team. Alle autonom. Alle unter dem menschlichen Weltrekord.
Man kann das als Spielerei abtun. Ein Rennen ist ein Rennen. Kein Roboter wird morgen in einer Fabrik arbeiten, nur weil er schnell laufen kann.
Aber das ist nicht der Punkt.
Der Punkt ist die Kurve. Vor einem Jahr: Slapstick. Heute: Weltrekord. Was passiert in einem weiteren Jahr?
Ein elfjähriger Zuschauer erzählte Reportern, er wolle jetzt Robotik studieren. An seiner Schule in Peking gibt es regulären Unterricht in Robotik-Theorie und Programmierung. Er trainiert für die Internationale Informatik-Olympiade.
Ein anderer Zuschauer, der schon letztes Jahr dabei war, sagte: Dass Roboter Menschen überholen — das hätte ich mir nicht vorstellen können.
Es gibt einen Satz, der in solchen Momenten gerne fällt: Das ist der Beginn einer neuen Ära. Er klingt nach Pathos. Aber manchmal stimmt er einfach.
Die eigentliche Frage ist nicht, ob Maschinen schneller laufen als Menschen. Die eigentliche Frage ist, wie schnell sich der Abstand zwischen dem, was Maschinen können, und dem, was wir von ihnen erwarten, schliesst.
Vor einem Jahr war die Antwort: langsam.
Heute ist die Antwort: schneller als wir dachten.
