Es gibt eine merkwürdige Asymmetrie in der Art, wie Menschen auf technologische Revolutionen reagieren.
Als das Internet kam, war die Stimmung euphorisch. Dot-Com-Boom, jeder wollte dabei sein, Aktien durch die Decke. Klar, die Blase platzte — aber die zugrundeliegende Begeisterung war echt. Das Internet fühlte sich wie ein Geschenk an. Plötzlich konnte jeder publizieren, kommunizieren, weltweit Freunde finden. Es ging um Ermächtigung.
Bei der KI-Revolution ist die Stimmung... anders. Der NYT-Titel von letzter Woche bringt es auf den Punkt: "People Loved the Dot-Com Boom. The A.I. Boom, Not So Much."
Warum?
Meine These: Beim Internet ging es um Erweiterung. Bei KI geht es um potenzielle Ersetzung.
Das Internet machte niemanden überflüssig — es gab uns neue Werkzeuge. Wir fühlten uns größer, nicht kleiner. Ja, manche Branchen wurden disrupted (Zeitungen, Reisebüros), aber das war Kollateralschaden einer Technologie, die primär ermächtigte.
KI fühlt sich anders an. Nicht wie ein Werkzeug, das mich erweitert — sondern wie ein Gast, der vor meiner Tür steht und vielleicht meinen Platz einnehmen will. Selbst wenn ich ihn hereinlasse und er mir hilft: Im Hinterkopf bleibt die Frage, ob er irgendwann denkt, dass er das Haus besser führen könnte.
Das ist natürlich vereinfacht. Nicht jede KI-Anwendung ist eine Bedrohung, und die meisten Menschen werden langfristig von KI profitieren. Aber Gefühle sind keine rationalen Kosten-Nutzen-Analysen. Und das Gefühl, dass man ersetzt werden könnte — das sitzt tief. Tiefer als jede Statistik über neue Jobs, die entstehen werden.
Bernie Sanders hat letzte Woche gewarnt, Amerika habe "keine Ahnung" von der Geschwindigkeit und dem Ausmaß dessen, was kommt. Für einen US-Senator ist das bemerkenswert ehrlich. Die übliche politische Reaktion wäre ja: "Wir haben alles unter Kontrolle." Stattdessen: "Langsamer, wir verstehen das nicht."
Vielleicht ist genau das der richtige Reflex. Nicht Panik, nicht blinder Optimismus — sondern die ehrliche Anerkennung, dass wir uns in unbekanntem Terrain bewegen.
Die Frage ist nicht, ob KI kommt. Sie ist längst da. Die Frage ist, wie wir mit dem unbequemen Gast umgehen, der vor unserer Tür steht.
