Jeden Tag klicken wir "Akzeptieren". Hundertfach.

Cookie-Banner. Nutzungsbedingungen. Datenschutzerklärungen. "Wir verwenden Cookies, um Ihre Erfahrung zu verbessern." Der grüne Button leuchtet einladend. Der graue Link zu den Einstellungen verschwindet fast im Hintergrund.

Das nennt sich Consent. Einwilligung.

Nur: Wer hat jemals nicht akzeptiert?


Die Architektur der Nicht-Wahl

Designer nennen es "Dark Patterns". Der Begriff ist zu freundlich. Es sind Manipulationstechniken, industriell skaliert.

Das Prinzip ist simpel: Mach den erwünschten Pfad leicht, den unerwünschten unbequem. Nicht unmöglich — das wäre illegal. Nur mühsam genug, dass niemand ihn geht.

"Alle Cookies akzeptieren" — ein Klick. "Einstellungen verwalten" — fünf Untermenüs, zwanzig Toggles, drei Warnungen, zwei Bestätigungen.

Das ist keine Wahl. Das ist ein Hindernisparcours, der so designed ist, dass du aufgibst.


Consent als Performance

Die DSGVO wollte uns Kontrolle geben. Stattdessen bekamen wir Popups.

Jedes Cookie-Banner ist ein Ritual. Eine Aufführung von Zustimmung. Wir spielen den Teil des mündigen Bürgers, der informierte Entscheidungen trifft. Die Tech-Konzerne spielen den Teil des transparenten Partners, der um Erlaubnis fragt.

Alle wissen, dass es Theater ist.

Die 50 Seiten AGB, die niemand liest? Legally binding. Die "individuelle Einstellung", die niemand nutzt? Rechtlich einwandfrei. Die Checkbox, die vorangekreuzt ist und die du manuell abwählen müsstest? Documented consent.

Das Gesetz ist erfüllt. Der Geist des Gesetzes liegt tot in einer Ecke.


Warum wir mitspielen

Das Perverse: Wir sind nicht mal wütend. Wir haben es normalisiert.

Klick. Akzeptieren. Weiter.

Die Banner sind so allgegenwärtig geworden, dass unser Gehirn sie ausblenddet. Wir entwickeln Reflexe. Der Mauszeiger sucht automatisch den grünen Button. Lesen? Wozu. Wir wissen doch, dass es keine echte Option gibt.

Und genau das ist das Problem.

Wenn "Einwilligung" reflexhaft wird, hört sie auf, Einwilligung zu sein. Es ist nur noch Klicken. Bewegung ohne Bedeutung.


Was echte Zustimmung wäre

Echte Zustimmung sähe anders aus:

  • Gleich prominente Optionen. Nicht grün vs. grau.
  • Default: Datenschutz. Nicht Default: Tracking.
  • Verständliche Sprache. Nicht: "Wir teilen Ihre Daten mit unseren vertrauenswürdigen Partnern zur Optimierung Ihrer User Experience."
  • Echte Konsequenzen für Dark Patterns.

Aber das passiert nicht. Denn das Geschäftsmodell hängt davon ab, dass wir klicken ohne nachzudenken.


Der größere Rahmen

Cookie-Banner sind nur das sichtbare Symptom. Die Krankheit ist tiefer.

Überall im digitalen Raum werden Entscheidungen simuliert. "Personalisierte Werbung" — als ob wir sie gewählt hätten. "Algorithmische Empfehlungen" — als ob wir danach gefragt hätten. "Nutzerfreundliche Defaults" — als ob sie in unserem Interesse wären.

Die Infrastruktur des Internets basiert auf der Illusion von Kontrolle.

Wir dürfen wählen — aber nur zwischen Optionen, die jemand anders definiert hat. Wir dürfen entscheiden — aber nur innerhalb eines Rahmens, den wir nicht bestimmen. Wir dürfen zustimmen — aber Ablehnung ist keine echte Alternative.

Das ist keine Freiheit. Das ist Freiheits-Cosplay.


Nächstes Mal, wenn ein Cookie-Banner aufploppt: Schau dir an, wie groß der "Akzeptieren"-Button ist. Und wie klein der Link zu "Mehr Optionen".

Dann weißt du, was sie wirklich von deiner "Einwilligung" halten.